Interview mit fisler

Diesmal haben wir fisler dazu bewegen können ein Interview mit uns zu machen. Er ist jetzt schon einige Zeit dabei und ist auch schon etwas in anderen Ländern zum Geocachen gekommen. Davon soll er uns natürlich Bericht erstatten. Um Euch nicht länger warten zu lassen fangen wir nun gleich mit dem Interview an.

 

14fislerGeocaching-Franken.de:
Hallo Christoph (fisler), jetzt hat es Dich also auch erwischt und nun mußt du uns Rede und Antwort stehen.  Schön das du mitmachst.

fisler:
Schön, dass Ihr anfragt, ich fühle mich geehrt!

Geocaching-Franken.de:
Du bist jetzt seit Oktober 2006 dabei und hast seitdem auch schon einige Geocaches gelegt. Man konnte schon fast damit rechnen, dass jeden Monat 2-3 Caches von Dir erscheinen. Am Anfang hatte ich (Gecko-1) sogar die Befürchtung, dass Du Dosen streust. Mittlerweile ist es bei mir aber so, dass ich mich auf neue “fisler typische” Geocaches freue. Einmal hast Du zu einem deiner Caches ein ziemlich negatives Log von mir erhalten (1st Lost Place Bayreuth). Deine ehrliche Reaktion damals?

fisler:
Na dass mit den 2-3 Caches im Monat war so eine Anfangseuphorie. Da hat man endlich das Zeug für dieses so spannende und neue Hobby und dann muss natürlich auch die Dose in den Busch. Ich hoffe aber, dass ich schnell genug gelernt habe, dass Klasse vor Masse kommt. Das kam dann auch so etwa mit Deinem Log. Meine erste Reaktion war Enttäuschung, aber wenn ich ehrlich sein soll, hatte ich schon beim Auslegen meine Zweifel. Aber ein ehrliches Log ist besser als die üblichen 0815 „danke für den Cache, fix gefunden“ Kommentare. Man will sich ja verbessern und da ist konstruktive Kritik bei mir zumindest immer willkommen. Aus Fehlern wird man klug und man hört auf weiter Müll in die Welt zu legen. Somit an dieser Stelle: Danke für den Motz-Log, Holger ;)

 

Geocaching-Franken.de:
Teilweise sind deine Geschichten um die Caches für viele Geocacher ja leicht verwirrend. Du scheinst ja auch noch ein anderes Hobby zu haben, welches mit Lovecraft zu tun hat. Kannst du uns da mal was drüber erzählen? Schließlich diente Lovecraft offensichtlich bereits ein paar mal als Inspiration für Caches von dir. Wo holst du dir sonst noch Ideen?

05fislerfisler:
Na ja, ich höre natürlich nicht gerne, dass man meine Geschichten nicht kapiert, schließlich soll der Cache ja so laufen, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Und bei meinen Geschichtencaches soll die Story zur Stimmung und damit zum Gesamtwerk beitragen. Dann erfahre ich aber auch ab und an mal, dass man die Story gar nicht liest und den Cache nur abrennt, dann ist natürlich klar, dass dem ein oder anderen was von der Pointe abhanden kommt – dagegen geh ich jetzt aber mit Tricks vor.

Ich bin in der Tat ein großer H.P.Lovecraft Fan. Lovecraft war ein amerikanischer Horrorautor aus den 1920er Jahren, der den so genannten Cthulhu-Mythos entworfen hat, auf den ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen möchte, weil dies den Rahmen sprengen würde. Was mir an seinen Geschichten gefällt und mich auch beim Cacheentwerfen inspiriert, ist die Art wie er Horror subtil verbreitet, nur mit Worten und nur mit Andeutungen. Aber ich bin längst nicht auf seinem Niveau. Ansonsten bin ich leidenschaftlicher Rollenspieler, Chefredakteur eine Zeitung zu dem Thema und Autor von Horror- und Science-Fiction Geschichten, da fällt es mir nicht so schwer die passenden Ideen und Geschichten zu den Caches zu finden. Schwerer ist dann eher schon die Location zur Geschichte zu entdecken, denn in letzter Zeit stehen erst die Geschichten und dann geht es auf Locationsuche.

 

06fisler Geocaching-Franken.de:
Gibt es für dich so etwas wie einen „Geocaching Traum”, den du gerne mal verwirklichen möchtest?

fisler:
Puh, das ist schwer. Wenn es um das Legen geht wäre mein Traum den LP an den der Pate und ich gerade basteln so hinzubekommen, wie wir es uns vorstellen – also etwas sehr Bodenständiges und Realisierbares. Dann würde ich gerne Beelitz-Heilstätten komplett machen. Ich war ja schon drin, nur gefunden hab ich nix – trotzdem ein geiles Gelände. Ansonsten gehen meine Träume eher mit Reisen in unwirkliche Regionen einher. In der Antarktis cachen hätte wohl schon was, oder am Baikal See. Aber zurzeit wäre es mir schon eine Freude mal Euren Code Gecko zu machen, den ich ja leider immer noch nicht habe.

15fisler Geocaching-Franken.de:
Welche Arten von Geocaches begeistern dich eigentlich am meisten? Bevorzugst du irgendwelche Cachearten /-typen?

fisler:
Das kann man pauschal nicht so einfach sagen, es gibt ja in jeder Sparte Glanzlichter und Rohrkrepierer. Die Tendenz geht aber vor allem in Richtung Stimmungscache. Das sollte ein Multi sein, in besonderer Umgebung, gerne auch bei Nacht. Dabei sind mir die Rätsel nicht so wichtig. Was ich zurzeit nicht mehr sehen kann sind Innenstadtmicros bzw. noch schlimmer –nanos. Schöne LPs gehen selbstverständlich auch immer!

 

Geocaching-Franken.de:
Wie ziehst du eigentlich los, lieber allein oder in Begleitung? Wie steht dein Umfeld zu deinem Hobby, gibt’s ne cachende Freundin?

01fislerfisler:
Mir ist die Gesellschaft immer lieber als das alleinige Losziehen. Ich kann mich sehr gut an einige Caches mit den Coburgern erinnern, bei denen die Gaudi so groß war, dass der Cache eigentlich nebensächlich wurde. Mittlerweile hab ich auch einen Rucksack voller gut sortierter Accessoires, die beim Cachen hilfreich sein können und, ganz wichtig, einen Straßenatlas, denn nichts ist frustrierender, wenn man mit seinem Garmin etrex yellow gar nicht erst den Weg zum Cache findet.

Es gibt in der Tat eine Freundin, die aber ein eher zwiespältiges Verhältnis zum Cachen hat. Sie geht zwar ganz gerne mit raus, aber seit wir im Regen den 123Maine Cache auf dem Staffelberg (Wetterspitze) gemacht haben und sie sich beim Abstieg böse hingelegt hat, fragt sie als erstes nach dem Terrain, wenn ich sie einlade.

Mein Umfeld hat nach einigen Anlaufschwierigkeiten so langsam verstanden, was ich denn da so mache. Meine Eltern finden das Hobby lustig, ebenso mein Freundeskreis. Viele von ihnen waren schon mit auf Tour und einen (pj_morris) hab ich auch schon angesteckt. Nur als ich in Schweden eine Tüte Hundekot aus einem Loch gefingert habe, wusste mein australischer Mitbewohner in Dänemark nicht so recht wie ihm zumute sein sollte. Das war dann natürlich der Running Gag auf jeder Feier und leider bisher auch mein schlimmstes Geocachingerlebnis.

 

03fisler Geocaching-Franken.de:
Gibt es für dich eigentlich so etwas wie ein Vorbild in der Geocacher-Szene oder jemanden mit dem du gerne mal auf Tour gehen möchtest?

fisler:
Schwer zu sagen, ich halte eigentlich nichts von Glorifizierung, schon gar nicht wenn es ums Geocachen geht. Wenn überhaupt, dann mit dem Erfinder. Ansonsten finde ich, dass es immer super ist, wenn ich mit unserer Community unterwegs bin, das reicht völlig. Obwohl, ich würde Bernhard Hoëcker vielleicht gern mal in ein stinkendes Loch scheuchen, dass er so eine vergammelte Microdose rausholt und die Stage vorliest. Wär schön, wenn er sich dafür mal anbieten würde.

02fisler Geocaching-Franken.de:
Was war bisher dein schönstes oder coolstes Cacheerlebnis??

fisler:
Immer in Erinnerung wird mir sicherlich mein erster Cache bleiben, obwohl er ganz und gar nichts Besonderes war. Aber das Gefühl sein erstes Döschen gefunden zu haben und die Bestätigung, dass es wirklich funktioniert ist schon berauschend. Ansonsten würde ich sagen, dass Beelitz-Heilstätten einfach eine fantastische Location ist. Wir waren mit Freunden auf dem Weg zu einem Festival und haben die Chance genutzt dort Zwischenstation zu machen und uns ein wenig umzuschauen. Es war ein sonniger, warmer Sommertag, alles blühte und die Blätter wehten leicht im Wind, der Asphalt drinnen war warm und die Sonne schien durch die alten Scheiben – schöner kann ein LP wohl kaum sein.

 

Dänemark

Geocaching-Franken.de:
Seit deiner Ankunft in Dänemark hast du ja bis heute schon einige Caches gemacht. Welche Erfahrungen hast du bzgl. der Qualität gemacht?

10fislerfisler:
Bisher bin ich leider noch nicht so überzeugt von der Dänischen Cachequalität, das kann aber daran liegen, dass ich die meisten Caches in Aalborg selbst gefunden habe, welche hauptsächlich kleinerer Natur sind. Ab und an findet man mal eine wirklich clevere Idee und Gott sei Dank werden diese in letzter Zeit häufiger. Man findet schnell heraus, welcher Cacher welche Arte von Caches legt und wer bekannt für seine kniffligen Tarnungen ist und dann gilt es eben seine Erwartungen anzupassen. Ist man da erstmal dahinter gekommen weiß man was man zu suchen hat. Ich muss aber auch sagen, dass die Caches außerhalb der Stadt in der Natur wirklich nett waren, hauptsächlich weil die Natur hier oben einfach wunderschön ist und der Cache an und für sich dort nur der Wegpunkt ist um Natur zu erleben.

 

09fisler Geocaching-Franken.de:
Gibt es grundlegende Unterschiede zu den dir bekannten Caches in der Heimat? Wie stellt sich unser Hobby für dich im hohen Norden dar? Sind bezüglich der Cachetypen/Terrain etc. bei den Dänen Präferenzen erkennbar?

fisler:
Ich glaube der größte Unterschied ist dass es hier weit nicht so viele Mysteries gibt wie in Coburg. Der am meisten zu findende Typ ist ohne Zweifel der Traditional und wenn doch mal ein Multi zu finden ist, sind es meist nur ein- oder zweistufige. Die Art Caches, welche ich bevorzuge gibt es hier leider kaum. Nachtcaches konnte ich bisher leider auch keine ausmachen, aber ich habe ja meine Reflexionsfolie sicherheitshalber mal eingepackt ;-). Auch findet man hier noch den ein oder anderen Virtual, wo man sich z.B. vor einem Bauwerk mit seinem GPS ablichtet. Vom Terrain her ist mir noch kein T5 untergekommen, aber ansonsten ist alles vertreten.

 

16fisler Geocaching-Franken.de:
Wird Wert auf die Statistik gelegt oder sind die Dänen eher so genannte Genußcacher? Wie stehst du dazu? Gibt es Unterschiede zwischen der dänischen und der heimatlichen Cachercommunity?

fisler:
Ich hatte leider noch nicht allzu viel Kontakt mit dänischen Cachern, lediglich über das dänische Forum konnte ich mich mit ihnen austauschen, also kann ich zur Statistik/Genuss Diskussion nicht sagen. Ich persönlich war bis zum meinem 100. Funde auf jeden Fall ein Statistikcacher, das ist heute definitiv anders, was man alleine schon daran sehen kann, dass ich mich den ganzen Fragezeichen verweigere, die in Coburg aus der Erde poppen. Ich will das Erlebnis vor Ort und nicht am Bildschirm. Wenn ich pauschal etwas über die dänische Community sagen müsste, dann dass sie mir sehr klein erscheint. Aalborg ist etwa viermal so groß wie Coburg, hat aber meines Erachtens weniger Cacher.

 

Geocaching-Franken.de:
Hast du in Dänemark beim Geocachen vielleicht etwas erlebt, das so in Deutschland eher nicht vorgekommen wäre?

12fislerfisler:
In der Tat gerade heute, das hängt aber nur indirekt mit einem Cache zusammen. Ich musste mir ohne Karte einen Weg zu einem Nazibunker bahnen, also peilte ich einen Bus an, der in die Richtung fahren sollte. Der fuhr aber nicht, also nahm ich einen anderen und kam natürlich ganz woanders raus. GPS an, 2,7km, hurra. Also musste ich laufen und zwischen mir und dem Bunker war ganz Aalborg Portland, ein riesiger Industriekomplex am Hafen. Ich wandere also einen Feldweg entlang und komme an einem großen Förderband raus. Erst zögerte ich noch, dann bin ich aber einfach weiter gelaufen und war ehe ich mich versah mitten auf einem riesigen Gelände. Das dieses eigentlich eingezäunt war erfuhr ich aber erst, als ich wieder raus wollte, denn da war ein geschlossenes Tor mit Kameras. Ich hab munter Bilder geschossen und es ist auch ein LKW an mir vorbei gerauscht, gestört habe ich aber anscheinend keinen dort. Erst als ich draußen war hab ich all die Hinweisschilder von wegen Security, persönliche Sicherheitskarte, Kameraüberwachung etc. gesehen, da war’s dann aber schon zu spät. Wer weiß wie weit ich da drin in Deutschland gekommen wäre.

Aber wenn ich noch was über das Cachen sagen soll, würde ich meinen, dass die Dänen weniger Volkspolizei spielen als die Deutschen, d.h. selbst wenn ich an einem Zaun akribisch an einem Elektrokasten herumschraube, weil da ein Cache drin ist und mich der Hund eines Spaziergängers vehement bellend davon abhalten will (so geschehen!), den Spaziergänger kümmert das nicht. Ich würde sagen, die Dänen sind weniger skeptisch in dieser Hinsicht.

07fislerDann gibt noch etwas, was mir in Deutschland auch noch nicht untergekommen ist. Ich habe hier schon viele Dosen geöffnet, bei denen mir zuerst ein Zetteln in die Hände gefallen ist auf dem stand „Er du muggler?“ (bist du Muggler?). Dann wird erklärt was Geocachen ist und was ein Muggel ist und warum man denn bitte bloß kein Muggel sein sollte. Das hingegen erinnert mich ein wenig an die Erziehschilder in amerikanischen Schulen, ist aber vielleicht gar nicht mal so eine blöde Idee – vielleicht führe ich das in Deutschland ein ;) .

 

Geocaching-Franken.de:
Kannst du uns bereits einen ganz bestimmten Cache empfehlen?

fisler:
In der Tat! Für LP Fans ist der Fliegerhorst Aalborg OST #1 (GC1A0KK) erste Wahl, wer eine unglaubliches Naturschauspiel sehen will, den rate ich, aufgepasst, zu einem Virtual: Sandy Lighthouse (GCKE29).Dort hat eine Wanderdüne einen Leuchtturm samt Nebengebäuden verschluckt und nur noch die Spitze schaut raus – irre!

 

13fisler Geocaching-Franken.de:
Nun sollst Du das letzte Wort haben. Geocaching-Franken.de bedankt sich hier nochmals für das Interview mit dir.

fisler:
Danke, dass Ihr mir zugehört habt. Ich finde es spitze, dass es eine fränkische Geocaching Plattform gibt! Vor allem bin ich aber auch von unserer Coburger Community  (Coburger GPS Community (CGC)) (so weit diese eben reicht) begeistert, die äußerst aktiv ist und für eine Menge Vielfalt sorgt. Dabei ist die Qualität der hiesigen Caches gar nicht mal so übel. Das fällt einem aber erst auf, wenn man mal woanders Cachen war. Deswegen plädiere ich umso mehr an alle mal den Horizont zu öffnen und auch mal in anderen Ländern cachen zu gehen. Ich war bisher in sieben Ländern mit dem GPS unterwegs und man lernt einfach nie aus.

Über den Autor GC-Franken.de

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